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Unsere Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan

Stellungnahme der Ratsfraktion der FWG Beelen zum BVWP 2030

Projekt B64/B51-G10-NW-T4-NW

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Zur Veröffentlichung des BVWP 2030 möchten wir als stärkste Fraktion im Rat der Gemeinde Beelen im Folgenden Stellung nehmen. Unsere Kommune ist von dem Projekt B64/B51-G10-NW-T4-NW unmittelbar betroffen.


Die gemeinsame Betrachtung der Ortsumgehung Beelen mit der Erweiterung der B 51 wird von uns als nicht sachgerecht angesehen. Ein ursächlicher Zusammenhang besteht aus unserer Sicht nicht. Durch die gemeinsame Betrachtung wird das Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) verfälscht. Für den Nutzen wird die Gesamtlänge des Projektes herangezogen (laut Google Maps beträgt die Entfernung zwischen Münster und Rheda-Wiedenbrück in etwa 62 km), für die Kosten aber nur die 5 Teilprojekte (29 km) ohne die Zwischenstücke, die bei konsequenter Umsetzung der Planung auch umgestaltet werden müssen. Der Bau der B64n führt zwar zu einer Reduzierung des innerörtlichen Verkehrs, bewirkt aber bei Berücksichtigung des zukünftig prognostizierten Verkehrsaufkommens letztendlich nur eine geringe Entlastung des Ortskerns.


Die Ergebnisse der Verkehrsgutachten und -prognosen rechtfertigen den Neubau der B64n nicht. Eine spürbare Erhöhung der Verkehrsbelastung wird ohne den Bau der Umgehungen nicht prognostiziert. Durch den Bau der B64n  entsteht jedoch eine insgesamt höhere Verkehrsbelastung im Gemeindegebiet, letztendlich resultierend aus der Entlastung der übergeordneten Verkehrswege (Autobahnen). Eine solche Autobahn-entlastende Funktion einer Bundesstraße kann nicht Aufgabe des nachgeordneten Straßennetzes sein.


Im Ort (Bebauung rechts und links der Straße) ist der Lärm in einem relativ engen „Korridor“ gefangen; wenn nun aber die 2+1-Lösung (und das mancherorts auch noch in Hochlage) realisiert wird, breitet sich der entstehende Lärm über ein großes Gebiet aus; für unsere Gemeinde bedeutet das insbesondere an den anliegenden Baugebieten, dem Altenkrankenheim und den Sportanlagen (Stadion, Rasenplätze, Tenniscenter) eine hohe Lärmbelästigung. Diese wird dadurch gesteigert, dass der Verkehr auf der Umgehungsstraße zudem von deutlich höheren Geschwindigkeiten „gesteuert“ wird und sich dadurch naturgemäß der Lärm ebenfalls erhöht.


Sicherlich könnte man eine Reduzierung des Lärmpegels auch durch die Herabsetzung der Geschwindigkeit innerorts erzielen. Verbunden mit einem Durchfahrtverbot für LKW (ggfs. nur nachts) oder der Ausweisung der B 64 als Maut-Strecke lassen sich auch Verbesserungen in der Lebensqualität der unmittelbar anliegenden Bewohner der B 64 in Beelen  erzielen – und das ohne den Neubau einer Ortsumgehung.


Der Verkehr, der insgesamt durch den Bau einer Umgehungsstraße nicht reduziert, sondern angezogen wird, führt neben der steigenden Lärmbelastung auch zu höheren Schadstoffbelastungen in der Luft. Dass wir als Anwohner dieses nicht gutheißen können, zumal sich unsere Sportanlagen in unmittelbarer Nähe des geplanten Projekts befinden, liegt auf der Hand. So würde der gesundheitliche Nutzen der Bewegung direkt ad absurdum geführt.


In Beelen befinden sich direkt an der jetzigen Ortsdurchfahrt zwei Tankstellen, ein Einkaufszentrum mit Aldi und Combi sowie diverse weitere Geschäfte (unter anderem auch der NETTO-Markt, für den die Nähe zur B64 ein wesentlicher Standortfaktor ist), die bei Verlagerung der Straße ihr Angebot vermutlich deutlich reduzieren, wenn nicht gar komplett aus Beelen abziehen. Unser Dorf mit seinen 6.500 Einwohnern lebt vom Zusammenhalt und dem enormen ehrenamtlichen Engagement. Wenn nun die Attraktivität durch fehlendes Angebot sinkt und zudem ältere und kranke Menschen keine Möglichkeit mehr hätten, sich in Beelen selbst zu versorgen: was soll dann mit unserem Ort geschehen?


Und letztlich: Wofür eine Umgehungsstraße, wenn man sich die demografische Entwicklung anschaut? Denn Kinder, die nicht geboren werden, können mit 18 auch kein Auto fahren. Der Anteil der über 65-jährigen dagegen wächst beständig in Deutschland. Ältere Personen haben allerdings auch eine deutlich geringere km-Leistung. Sodass auch unter diesem Aspekt die Realisierung der B 64 n zu diesem Zeitpunkt einer gesellschaftlichen Realität entgegenläuft. Vielmehr wäre es hier doch anzeigt, die Schienenverbindung, die parallel zur B 64 verläuft  weiter auszubauen und deren Attraktivität zu erhöhen. Was den PKW-Verkehr betrifft würde diese Maßnahme sicherlich zu einer Reduzierung des Verkehrsaufkommens  führen und gleichzeitig auch für alle Bevölkerungsschichten (Schüler, junge Eltern mit nur einem PKW, berufstätige Pendler, ältere Menschen und Gruppen) einen Mehrwert bringen, der zudem noch umweltfreundlich ist. Außerdem steigert eine gut funktionierende Bahnverbindung zwischen den Oberzentren Münster und Bielefeld die Attraktivität der anliegenden Gemeinden sowie der gesamten Region.


Wir bitten um eine konstruktive Wertung der von uns  vorgetragenen Argumente und entsprechende Überarbeitung des Projektes  B64/B51-G10-NW-T4-NW.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Matthias Nüßing

FWG-Fraktionsvorsitzender

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